Barbara Dévény | Er hat gesagt, sie kam mit dem Auto | 2014, HD-Video, 12 Min. 18s
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“ Er hat gesagt, sie kam mit dem Auto“ Und er, war er schon da oder traf er erst später ein? Kam er mit dem Auto oder auch mit dem Bus?
Erinnerungen an eine Ausreise werden im Gespräch zwischen einem Mann und einer Frau (Vater und Tochter) in all ihrer Widersprüchlichkeit erzählt. Fragmente werden kurz berichtet, dann sehr schnell wieder fallengelassen und im nächsten Bild doch wieder weitergesponnen.
Allerdings ohne weiter zu kommen. Hin und wieder werden scheinbare Erinnerungsfehler auch offensichtlich. So changiert das Geburtsdatum, welches im Grenzverhör abgefragt wird, zwischen der Antwort des Vaters (14.) und den Ausreisedokumenten (15.).
Und aus welchem Land oder welcher Stadt kam die Familie? War es Brest (in Frankreich oder Weissrussland)? Hier gibt es keine sichere Verortung. Es ist nicht wirklich zu erfahren. Und man ahnt schon gleich, dass die Tochter auf die Frage „Sag mal, wie war das, als wir abgehauen sind?“ oder auf „Warum sind wir abgehauen?“ keine eindeutigen, sie jemals zufrieden stellenden Antworten erhalten wird. Sie kann nur kleinste Teile der Geschichte ausfindig machen, die bei aller Glaubwürdigkeit der Protagonisten zwischen dokumentarischer Wahrheit und Fiktion hin und her driften.
Puzzlestücke einer Erzählung zeigen sich, die seltsam lose- ohne Pathos Erinnerungen eher ruhen als aufleben lassen. Immer wieder verschieben und erneuern sich die kurzfristig mitgeteilten Fakten. So ist es nicht verwunderlich, dass auch Konkretisierungen nachfolgend gelöscht werden. Folglich fügen sich die im Film detektivisch aufgespürten Erlebnisse nicht zu einer stringenten Erzählung oder einem geschlossenen Bild. Sie wirken diffus und zugleich immer auch lapidar und banal. Auf keinen Fall spektakulär.
Der Film von Dévény geht soweit, dass beide, Tochter und Vater, eine Unentschlossenheit verkörpern, die nicht nur die Ausreisefakten betrifft sondern auch die alltäglichen, völlig Iapidaren Absprachen zum Essen oder das linkisch wirkende Bügeln des Vaters.

 

Andrea Sick