Situationen / Orte, begleitet, eingeleitet, ausgeleitet von Tönen, Melodien und Stille. Sichtbare Personen jedoch ohne Bedeutung als solche. Wechselnde Geschwindigkeiten. Gezeigt auf drei Rückprojektionsleinwänden im Synchronlauf. Die Leinwände unterscheiden sich in ihrer Größe wie auch in der Farbigkeit und Schärfeneinstellung.

        Ist Bedrohung ausschließlich real? Wie stark bedroht mich Nicht-Reales? Etwas Reales, Erkennbares erfährt im Verlauf eine Veränderung. Es soll durch Hinzufügung von Mystischem „entrealisiert“ werden.

        Boxen scheint auf den ersten Blick von zentraler Bedeutung. In seiner ursprünglichen Form war Boxen Ausdruck von körperlicher Auseinandersetzung, Stärke , Kraft, Kräfte messen, Gewalt, Aggressivität, Bedrohung. In der dargestellten Form findet diese Auseinandersetzung in einem dafür vorgesehenen “Raum“, dem Ring, statt. Der Ring regelt, grenzt ein, ordnet, aber das Bedrohliche verliert trotz Eingrenzung nicht an Bedeutung, es bleibt bestehen. Selbst wenn es sich ausserhalb des Rings befindet bleibt die Aggressivität, wie auch der Reiz an ihr, bestehen und dadurch auch das Bedrohliche, das nicht einzugrenzen ist.

        Denn Aggressivität findet in verschiedenen Formen in Gedanken und Vorstellungen statt. Erst beim Eintreten in diese Gedanken oder beim Zulassen dieses Gedanken wird uns bewusst , dass es immer diese Möglichkeit gibt.

        Wirklich Bedrohliches findet im Kopf statt. Alles Wahrgenommene wird in Verbindung gesetzt mit Bisherigem, Erlebtem und Erfahrungen sowie Vorstellungen von dem Wahrgenommenen und erfährt dadurch eine Bewertung. Elemente der Bilder können Erinnerungen hervorrufen. Die Verbindung zwischen visueller und auditiver Wahrnehmung beeinflusst den Bewertungsprozess. Stille, „Zugedecktes“ und Durchscheinendes, sich Wiederholendes, Beängstigendes sollen den Eindruck von Bedrohung verstärken und sind dabei nur

        Kulisse für etwas, das wie ein Traum erscheint. Durch den Schnee scheint die Realität zugedeckt, sie wird unwirklich und nimmt der Räumlichkeit die Zuordnung. Es ist, als könnte man sich verlieren durch die unscharfe, nicht klare Sicht auf das Wirkliche. Das Geschehen lässt sich nur noch wie ein Schimmer betrachten. Obwohl eine Klarheit sichtbar ist , fällt es schwer, den Ort zu fokusieren. Alles ist „umschimmert“ und Wirklichkeit und Vorstellung lassen sich nicht voneinander trennen. Dieser fließende Übergang von Wirklichkeit und Vorstellung macht Dinge phantastisch und mystifiziert sie.

        Konträre, Symbol besetzte Bilder (Boxen - realistisch / Pferde - phantastisch) zusammenzusetzen, sie zu entfremden und damit zu „entrealisieren“ und sie doch immer in ihren „Räumen“ zu belassen sollen einen Kreis schließen. Die Entrealisierung geschieht hier durch Hinzufügen von kurzen Szenen aus Märchen. Mich interessiert besonders die Vermischung zwischen realer und phantastischer Ebene und das, was dadurch entsteht. Am Ende des Videos kann eine Grausamkeit folgen , es kann aber auch ein weißes Paradies erscheinen.

        Freischwebende im Raum installierte Wände sollen das Vage verstärken, es unterstützen. Das Bild hebt sich weg von den Wänden, um in den Raum zu gehen. Die Synchronität steht für eine Gleichheit, die Verschiedenheit (Färbung und Schärfe) sollen einen Moment des Vorbeirauschen verkörpern.

        Die mittlere Leinwand stellt den Hauptpunkt dar, die beiden daneben angeordneten Leinwände begleiten das Bild und stehen dabei im selben Moment für mögliche Metaebenen, die in Gedanken eingenommen werden können.